Carl ist nun genau 9 Monate alt. Hochlandrinder werden etwa in diesem Alter geschlechtsreif. Die sonst spielerischen Rangkämpfe werden ernster, gefährlicher und härter. Carl und seine Brüder werden zu Rivalen für ihren Vater. Um die Ruhe in der Herde zu wahren, werden die jungen Tiere von ihren Müttern getrennt. Für die beinahe alle gleichalten Jungtiere, ob männlich oder weiblich, entsteht zu dieser Zeit auch der erste dauerhafte Kontakt zum Menschen. Die Jugendlichen werden gefangen und separiert. Bullen und Rinder werden ab diesem Tag für immer getrennt und für etwa 4 Wochen aufgestallt.

Der Landwirt übernimmt für diese Zeit die Rolle der Führung, was eigentlich die Mutter getan hat. Sie werden spielerisch an Gegenstände, Stricke und an das Lasso gewöhnt. Streicheleinheiten, das Kämmen des Felles, besonders gern das Kraulen im Nacken inklusive. Für die nun von ihren Kälbern getrennten Mütter werden die kommenden 2 Monate, bis ihr neues Kalb geboren wird, entspannt. Die Kuh kann Kraft schöpfen und ein „Fettdepot“ für die anstehende Geburt und Aufzucht ansetzen. Die Laktation (Milchproduktion) wird eingestellt und das Euter der Kuh kann sich gesamt zurück entwickeln. Die Milchproduktion setzt erst kurz vor der Geburt wieder ein. Dies variiert von Kuh zu Kuh. Zwischen 2 Stunden bis max. 2 Tage vor der Geburt benötigt das Muttertier, um neue Nahrung/ Milch für das künftig Neugeborene zu produzieren.

Weder für Carl noch für eines seiner Geschwister war die Trennung „schmerzhaft“. Die neuen Umstände und Entwicklungen in ihrem Leben sind so spannend, dass ihnen keine Zeit bleibt, um zu trauern. Auch die Mütter leben hier ihren Ur-Instinkt. In der freien Wildbahn wären die Kälber spätestens in diesem Zeitraum von ihren Müttern vertrieben ( „abgeschlagen“) worden. Hier sieht man Carl in der Fressgitteranlage, seiner kurzfristigen neuen Bleibe. Deutlich zu erkennen – seine Hörner, welche er unter anderem auch für die Rangeleien einsetzt, sind stark gewachsen.

In Kürze wird er auf die in der Nähe gelegene Bullenweide gefahren. Hier werden er und die Bullen aus dem vorletzten Jahr aufeinandertreffen. Die Rangordnung muss nun noch einmal unter allen Bullen ausgetragen und festgelegt werden. Dies kann einige Tage dauern. Die Bullen verletzen sich hierbei nicht, Hämatome (rot-, bläuliche Flecken) entstehen auf den Hörnern. Auf der Haut entstehen selten Hämatome, da die Tiere durch das dicke Fell und die feste Hautstruktur gut geschützt sind. Noch sind die Rangkämpfe spielerisch. Erst wenn die jungen Bullen auf die Bullenweide transportiert werden und dort auf die Bullen aus dem Vorjahr treffen, können die Kämpfe durchaus gefährlich bis tödlich ausgehen.