05.Mai.2014 - 17.30 Uhr


Eine Besonderheit der Hochlandrinder ist ihre Robustheit. Sie sind es gewohnt, das ganze Jahr über ohne Stall auf der Weide zu verbringen. Ihr Fell ist mit seiner feinen Unterhaarlage wasserabweisend und wirkt wärmedämmend. Ihre Lederhaut ist fast doppelt so dick wie beim normalen Hausrind. Selbst bei minus 15 Grad kalben sie noch problemlos. Schnee bleibt auf ihrem Rücken liegen und schmilzt nicht weg.

Einige Stunden vor der Geburt beginnt die Kuh, unruhig zu werden. Sie sucht sich dann abseits der Herde einen stillen Platz, wo sie das Kalb zur Welt bringen kann, und zieht sich zurück. Manche Kühe legen sich zur Geburt hin, andere bleiben dabei stehen. Die Kuh presst nun selbstständig und allein das Kalb aus sich heraus. Sobald das Kalb geboren ist, reißt die Nabelschnur durch. Die Kuh wendet sich sofort dem Neugeborenen zu und beginnt, es zu stupsen und zu lecken, um die Lebensgeister nach der strapaziösen Geburt zu wecken. Der persönliche Bezug zwischen Kalb und Mutter wird hergestellt.Das Kalb lernt den Geruch und die Laute seiner Mutter kennen.

Parallel dazu sucht die Mutter nun die Plazentareste und frisst diese auf. Für einen reinen Pflanzenfresser eher ungewöhnlich. Es hat aber zwei wichtige Gründe. Die Nachgeburt (Plazenta) riecht außerordentlich intensiv. Raubtiere werden davon magisch angezogen (Rabenvögel, Füchse und Wildschweine reagieren stark darauf. Eine Bedrohung für ein so junges Kalb. Raubtiere versuchen, das Neugeborene anzugreifen und zu fressen.). Die Kuh vertilgt die Nachgeburt instinktiv sehr schnell, um kein Raubwild anzulocken. Zudem sind die Reste der Plazenta sehr proteinreich. Die Kuh kommt in den ersten Tagen nach der Geburt kaum zum fressen. So kann Sie kurzfristig durch diesen Nährstoffschub ausreichend Milch produzieren.

Nachdem das Kalb von seiner Mutter trocken geleckt wurde, steht es innerhalb weniger Minuten und kann erst noch wackelig, dann aber schon sicher mit seiner Mutter laufen. Es begleitet seine Mutter von nun an auf Schritt und Tritt. Ohrmarken müssen in beide Ohren des Kalbes durch den Landwirt „eingezogen“ werden.

Eine der Marken hat eine Besonderheit: beim Einziehen der Ohrmarke durch den Landwirt mit einer speziellen Zange, wird ein Stück Knorpel in einen Probeaufnahmebehälter gestoßen. Dieser ist mit der jeweiligen Ohrmarkennummer graviert und muss dann luftdicht verpackt in das dem Betrieb zugeordneten Veterinäramt versandt werden. Hier wird die Knorpelprobe des neugeborenen Kalbes auf mögliche Krankheiten untersucht. Gleichzeitig muss eine Meldung, binnen 7 Tagen, vom Landwirt bei der Hit-Datenbank des Landeskontrollverbandes NRW erstellt werden.

Bei der Meldung werden die wichtigsten Daten des Kalbes erfasst. Das Geburtsdatum, das Muttertier, das Geschlecht, die Rasse und ob es eine Mehrlingsgeburt war. Wenn diese beiden Vorgänge erfolgreich abgeschlossen sind, sendet der Landeskontrollverband NRW einen Rinderpass an den Landwirt zurück. Der Landwirt kann hiermit das Rind „ausweisen“. Falls das Tier einmal den Betrieb verlassen sollte, kann es dies nur anhand des Rinderpasses.

Die Zangen dienen dem Landwirt dazu die Ohrmarken in das Ohr des Kälbchen einzuziehen.